ak-film

Allgemeines

In dem OAG-Arbeitskreis „Japanischer Film der Gegenwart“ sollen in regelmäßigen Abständen, etwa vier bis sechs Mal im Jahr während der Vorlesungszeiten der Universitäten, neuere japanische Filme von einem der Teilnehmer vorgestellt und in Ausschnitten gezeigt und analysiert werden.

Mittelfristig ist geplant, ein Symposium zum japanischen Film der Gegenwart zu organisieren und die Vorträge in geeigneter Form zu publizieren. Es ist weiter daran gedacht, nach Möglichkeit japanische Regisseure oder Fachleute einzuladen. Die Arbeitsgemeinschaft soll auch allen Interessenten offen stehen, deren japanische Sprachkenntnisse nicht reichen, um einen Film auf Japanisch verstehen zu können. Ebenfalls sind alle Interessenten herzliche willkommen, die noch nicht Mitglied der OAG sind. Weiter soll Wissenschaftlern aus dem deutschsprachigen Raum, die sich zu Forschungszwecken in Japan aufhalten, die Möglichkeit offen stehen, in Kooperation mit dem Arbeitskreis Workshops zu organisieren oder Vorträge zu halten.

Der Koordinator des Arbeitskreises des Arbeitskreises, Prof. Dr. Reinold Ophüls-Kashima (Sophia-Universität), ist unter folgender Adresse zu erreichen: r-ophuls(at)sophia.ac.jp. 

Der Arbeitskreis findet seit Mai 2015 nicht mehr als OAG-Veranstaltung statt.

Programm

Freitag, 24. Juni 2011, 18.30-20.30 Uhr
Sprecher: Prof. Dr. Reinold Ophüls-Kashima (Sophia-Universität)

Still Walking (Aruite mo aruite mo) als Roman und als Film – ein Vergleich

Bei dieser Veranstaltung soll eine Arbeitsgemeinschaft der OAG „Japanischer Film der Gegenwart“ gegründet werden. In dieser AG sollen in regelmäßigen Abständen, etwa vier bis sechs Mal im Jahr während der Vorlesungszeiten der Universitäten, neuere japanische Filme von einem der Teilnehmer vorgestellt und in Ausschnitten gezeigt werden. Dabei sollte vom Vortragenden, wenn möglich, auch ein methodischer oder thematischer Schwerpunkt gesetzt werden. Es ist auch daran gedacht, vielleicht einmal im Jahr eine(n) Regisseur(in) oder Schauspieler(in) einzuladen. Die Arbeitsgemeinschaft soll auch allen Interessenten offen stehen, deren japanische Sprachkenntnisse nicht reichen, um einen Film auf Japanisch verstehen zu können. Ebenfalls sind alle Interessenten herzlich willkommen, die noch nicht Mitglied der OAG sind.

Der erste Vortrag der AG wird von Prof. Dr. Reinold Ophüls-Kashima (Sophia-Universität) gehalten. Das Thema ist ein Vergleich zwischen dem Film und dem Roman Aruite mo aruite mo (engl: Still Walking); der Roman stammt von Koreeda Hirokazu, dem Verfasser des Drehbuchs zum und Regisseur des gleichnamigen Films, womit er mit einigem Recht als Autor sowohl des Romans als auch des Films bezeichnet werden kann. Der Roman erschien 2008, etwa zur gleichen Zeit, als auch der Film in die Kinos kam – nebenbei gesagt eine in Japan erstaunlich häufige intermediale Praxis. In dem Vortrag soll der Frage nachgegangen und an einigen Beispielen demonstriert werden, wie ein sehr ähnliches Sujet in den verschiedenen Medien Buch und Film unterschiedlich realisiert wird.

**************************************************
Freitag, 30. September 2011, 18.30-20.30 Uhr
Sprecher: Matthias Pfeifer (Präfektur-Universität Shizuoka)

Wakamatsu Kōji und die Aufarbeitung des japanischen 70er-Jahre-Terrorismus
im Film Jitsuroku: Rengōsekigun - Asama sansō e no michi  (2007)

(Dt. „Die wahre Geschichte der Vereinigten Roten Armee: Der Weg zur Asama Bergpension“)

Der 2007 entstandene und auf der Berlinale preisgekrönte Film Jitsuroku: Rengōsekigun - Asama sansō e no michi („Die wahre Geschichte der Vereinigten Roten Armee“) des lange Zeit vor allem als Regisseur von Softpornofilmen mit künstlerischem Anspruch bekannten Regisseurs Wakamatsu Kōji (*1936) beschäftigt sich im Rückblick mit der Zeit der japanischen Studentenbewegung der 60er Jahre bis zu deren vorläufigen Zusammenbruch 1971, als der der Zwischenfall in der Asama-Bergpension bezeichnet werden muss, in der sich der versprengte Rest der VRA verschanzte und der Polizei neun Tage einen erbitterten Kampf lieferte. Wakamatsu war zeit seines Lebens Sympathisant der linksradikalen Aktivisten und hatte sich schon in den 60er und 70er Jahren in seinen Filmen mit den aktuellen Ereignissen auf den Straßen Japans, aber auch mit den revolutionären Bewegungen auf der ganzen Welt beschäftigt.

Der mit großen finanziellen Schwierigkeiten gedrehte Jitsuroku: Rengōsekigun ist ein Herzensanliegen Wakamatsus, und wird von ihm als eine Richtigstellung der neueren filmschen Geschichtsschreibung verstanden, in der die Ereignisse zur Zeit der Studentenbewegung seiner Ansicht nach zu eindimensional präsentiert werden. Wakamatsus Film ist insofern ein explizit um Authentizität bemühter Gegenfilm von einem mittelbar Beteiligten der Bewegung. Es stellt sich daher die Frage, ob Wakamatsu seinem Authetizitätsanspruch gerecht werden kann.

In dem Arbeitskreis wird es daher um diese Frage nach dem Authentischen in diesem Film gehen, der dem zunehmend populärer werdenden Genre der Dokudramas folgt, aber doch mit dem Problem leben muss, dass die wirklichen Insider der dramatischen Ereignisse bisher schweigen. Wie füllt Wakamatsu diese Lücken mit notwendig fiktionalen Elementen und kann er so der heutigen Japan ein adäquates Bild einer Vergangenheit präsentieren, in der ein Großteil der Jugend noch gesellschaftlich engagiert war?

************************
Freitag, 9. Dezember 2011, 18.30-20.30 Uhr
Sprecher: Sven Koerber-Abe (Waseda-Universität)

Filmische Darstellungsmöglichkeiten von Freiheit und Einsamkeit - Tony Takitani von Ichikawa Jun

Die titelgebende Kurzgeschichte von Harumi Murakami wird zuerst anhand des von Prof. Wolfgang Schlecht verfassten Artikels “Facetten der Einsamkeit in Haruki Murakamis Erzählung Tony Takitani” besprochen. Danach folgt eine Darstellung am Beispiel des gleichnamigen Films von Jun Ichikawa, mit welchen filmischen Mitteln ‘Einsamkeit’ und ‘Freiheit’ dargestellt werden können.

Von Sven Koerber-Abe, Japanologie-Magister und derzeit Deutschlektor an der Waseda-Universität, sind bereits zwei Artikel zur Geschichte des japanischen Films in den OAG-Notizen erschienen (siehe die Ausgaben 05/2007 und 01/2010).

************************
Freitag, 3. Februar 2012, 18.30-20.30 Uhr
Sprecherin: Dr. Elke Hayashi (Sophia-Universität)

Das „typisch Japanische“ am Verhalten der Charaktere in Okuribito

Filme vermitteln nicht nur auf der verbalen Ebene Informationen. Das merkt jeder Zuschauer schmerzlich, wenn er auf das Lesen der Untertitel angewiesen ist. Denn dann entgehen ihm immer wieder wesentliche Informationen, nämlich die, die durch das Verhalten der Charaktere, die Kleidung der Schauspieler, das Bühnenbild etc. vermittelt werden. Diese visuellen Mittel der Darstellung sollen natürlich den Film interessant machen, die Emotionalität im Zuschauer ansprechen. Darüber sind sich die Drehbuchautoren im Klaren und arbeiten bewusst darauf hin.

An dem japanischen Film Okuribito (Englischer Titel: Departures) aus dem Jahr 2008 soll nun eine besondere Komponente der Visualität analysiert werden, die dem Alltagsleben des Landes entstammen, aus dem der Direktor, der Drehbuchautor und die Schauspieler stammen, und in dem der Film dann auch realisiert wurde, also Japan: Die nonverbale Komponente der Kommunikation. Etwas einfacher formuliert: Was ist das „typisch Japanische“ an der Verhaltensweise und der Art, wie sich die Charaktere in diesem Film in ihrer Rolle bewegen?

Dr. Elke Hayashi unterrichtet an der Sophia Universität, in der Abteilung für Deutsche Literatur u.a.. Sie ist Diplom-Übersetzerin (u.a. Japanisch) und promovierte Japanologin. Zu ihren wesentlichen wissenschaftlichen Arbeiten zählen die Monographien „Ehrfürchtiges Staunen“ (Nonverbalik in Japan), „Tagelöhner und Obdachlose in Tokyo“, so wie die sprachwissenschaftlichen Aufsätze zum Modalverb „sollen“ und Adjektiv/Adverb im Deutschen.

************************
Freitag, 13. April 2012, 18.30-20.30 Uhr
Sprecher: Prof. Dr. Helmut Morsbach (Temple Universität Tokyo)

Aya

Australien 1990
Direktor: Solrun Hoaas (1943 in Norwegen geboren)

Hauptdarsteller:
Aya: Eri Ishida
Frank (Ayas australischer Mann): Nicholas Eadie
Mac (Ayas platonischer Freund): Chris Haywood

Diese Tragödie wurde in Australien gedreht und dort auch preisgekrönt, ist aber
in anderen Ländern so gut wie unbekannt geblieben. Sie beschreibt die Ehe der
japanischen Soldatenbraut Aya mit dem australischen Soldaten Frank, welche in
den Fünfzigerjahren langsam aber sicher in die Brüche geht, während das Paar
in Australien wohnt.

Als Gegengewicht zum „Macho“-Ehemann Frank tritt ein platonischer, wohl
schwuler Freund (Mac) im Film auf, der Aya auch dann noch die Treue hält, als
sie sich, zum Schluss alleinstehend, als Dolmetscherin für japanische Fischer in
Tasmanien durchschlägt.

Das Drehbuch basiert wahrscheinlich auf Briefen, welche eine wirkliche Japanerin
von Australien aus über Jahre hinweg an ihre Familie in Japan schickte.

1. Es wird angenommen, dass jeder Teilnehmer den Film Aya vorher ansehen
konnte.
2. Der Film ist nicht im normalen Verleih erhältlich.

***************************************
Freitag, 22. Juni 2012, 18.30-20.30 Uhr
Sprecherin: Carolin Fleischer, M.A. (DIJ)

„Aber den Film hasse ich!“ – Terayama Shūjis SHO O SUTEYO MACHI E DEYŌ als kinematografische Reflexion über das Medium Film

Was macht den Film zum Film? Die Kamera? Der Projektor? Die Leinwand? Die Dunkelheit? Die Fiktionalität?
Diese Frage stellt der gegenkulturelle Künstler Terayama Shūji (1935-83) in seinem ersten Langfilm SHO O SUTEYO MACHI E DEYŌ (dt. WERFT DIE BÜCHER WEG, GEHT AUF DIE STRASSEN; Japan 1971). Eingewoben in die Geschichte vom Erwachsen-Werden des Jungen Kitamura Eimei erfolgt die Reflexion des Mediums Film im Film. Sie zeigt sich in der Sichtbarmachung des Films innerhalb einer Rahmenhandlung. Hier findet zu Anfang und Ende des Films eine audiovisuelle Vorführung von Produktionsgerätschaften und -umgebung, aber auch die Thematisierung des Produktions- und Rezeptionsprozesses Film statt. Ferner wird die Haupthandlung vielfach durch Rockmusik, Aktionstheater in den Straßen Shinjukus, Visionen, (Sex-)Partnergesuche, Graffitis, Fußballszenen, einen buddhistischen Wiedergeburtsmythos und dergleichen gebrochen. Diese narrationsexternen Einschübe diskutieren nicht allein die Handlung auf einer Metaebene, sondern verhandeln ferner Spezifika des Films im Spannungsfeld von Realität und Fiktion. Als Beispiel für diese Strategie sei der Männerchorgesang über Gewalt im Mitternachtskino genannt, der direkt an eine Vergewaltigungssequenz anschließt.

Die originäre Auseinandersetzung mit dem Medium Film trägt dazu bei, dass SHO O SUTEYO MACHI E DEYŌ sich der etablierten Filmsprache entzieht und stattdessen experimentell nach eigenen filmischen Ausdrucksformen sucht. Zugleich schärft sie den Blick für das Terayamasche Verständnis vom Film und darüber hinaus den schönen Künsten im Allgemeinen.

Carolin Fleischer, M.A., studierte an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität Theaterwissenschaft, Japanologie und Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Sie ist Doktorandin am Japan-Zentrum der LMU und seit April 2012 Stipendiatin am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) in Tokyo. Im Rahmen ihres Dissertationsprojekts untersucht sie „Globalisierungsentwürfe im epischen, dramatischen und filmischen Werk Terayama Shūjis“.

*********************************************
Freitag, 19. Oktober 2012, 18.30-20.30 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Reinold Ophüls-Kashima (Sophia-Universität)

Was ist eigentlich das „Japanische“ in einem japanischen Film?

Der Brite John Harford Williams (*1962), der im Dezember in unserem Arbeitskreis seinen neuesten Film ARASHI, eine Adaption von Shakespeares Tempest auf der Insel Sado, vorstellen wird, ist zugleich als japanischer Filmregisseur bzw. Filmproduzent und und als Professor an der Sophia-Universität tätig. Sein Œuvre umfasst zwei größere Spielfilme. In Ichiban utsukushii natsu (Firefly dreams, Der schönste Sommer, auch Naomi und die alte Dame, 2001), ein im realistischen Modus gehaltenen Werk, steht im Mittelpunkt ein Sommer im Leben der Jugendlichen Naomi, die, als sich die Ehe der Eltern in der Krise befindet, zu den Verwandten aufs Land geschickt wird, und sich dort mit einer älteren Dame anfreundet.

Bei Starfish Hotel (2006) handelt es sich um einen Thriller, bei dem der Angestellte Yuichi Arisu (Alice!) in die unheimliche Welt des Schriftstellers Kuroda, genannt Darkland, gesogen wird. Eines Tages verschwindet seine Frau spurlos ...

Anhand von ausgewählten Ausschnitten soll gemeinsam überlegt werden, was eigentlich einen japanischen Film als solchen charakterisiert, also ob es über die Tatsache, dass die Handlung in Japan spielt, Japanisch gesprochen wird und die Rollen von japanischen Schauspielern gespielt werden, auch so etwas wie einen japanischen „Blick“ auf die Dinge gibt. Die Diskussion soll auch als Vorbereitung für den übernächsten Arbeitskreis im Dezember dienen, bei dem John Williams selbst zu Gast sein wird.
Weitere Informationen auf: http://www.tomodachi.de/html/ant/service/jpn_movies/naomi_und_die_alte_dame.html

*****************************************
Freitag, 14. Dezember 2012, 18.30-20.30 Uhr
Diskussion mit dem Filmregisseur John Harford Williams (in englischer Sprache)
Leitung: Prof. Dr. Reinold Ophüls-Kashima (Sophia-Universität)

Der Brite und japanische Filmregisseur John Harford Williams (*1962) wird im Arbeitskreis seinen neuesten Film ARASHI, eine Adaption von Shakespeares Tempest auf der Insel Sado, vorstellen und mit uns über sein bisheriges Œuvre diskutieren, das im Oktober besprochen wurde. John Willimas zugleich als Filmregisseur bzw. Filmproduzent und und als Professor an der Sophia-Universität tätig. Er hat u.a. zwei größere Spielfilme als Regisseur und Drehbuchautor verwirkliche können, Ichiban utsukushii natsu (Firefly dreams, „Der schönste Sommer“, auch Naomi und die alte Dame, 2001), und den Thriller Starfish Hotel (2006).

Die Diskussion mit John Williams wird auf Englisch stattfinden.

Ein Interview auf Englisch mit John Williams auf Englisch zu seinem neuesten Film findet sich auf youTube unter: http://www.youtube.com/watch?v=QuIJq1zhas8. Informationen auf Japanisch und Englisch sind auch auf der Homepage seiner Produktionsfirma 100meterfilms zu finden: http://www.100meterfilms.com/jp/ features/cat/ sasotempest.html. Auf IMBd (http://www.imdb.com/title/tt2231040/) findet sich folgende Zusammenfassung seines neuesten Werk ARASHI:

Arashi mixes Japanese rock, Noh Masks and the weird volcanic landscapes of Sado Island in a radical reworking of The Tempest. In this Tempest the storm has gone badly wrong and ruined the island, Caliban is now in charge and Miranda has gone crazy. Prospero is missing, presumed dead. When a singer arrives on the island, exiled to the brutal prison that Caliban overseas, he escapes into the interior where he encounters a crazed older exile, and starts to become intrigued by the ancient Demon songs of the island. The singer tries to recreate the songs of the Demons, which he learns have the power to bring Spring back to the island, or once again to bring the terrible Storm . . .

*****************************************
Freitag, 19. April 2013, 18.30-20.30 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Susanne Schermann
Ort: Raum 615-a (Konferenzraum der Abteilung German Studies) in Gebäude 2 (Shin-2-goukan), Sophia-Universität

„Die Verwurstung von Ozu“

Der Film Rashomon (1951) von Akira Kurosawa machte den japanischen Film einem breiten westlichen Publikum bekannt, als er bei den Filmfestspielen von Venedig 1951 den Goldenen Löwen und im folgenden Jahr den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt. Die Einreichung zum Festival in Venedig erfolgte auf Initiative einer italienischen Journalistin, da die japanische Filmwirtschaft in der Nachkriegszeit absolut nicht auf Export eingestellt war. Der unerwartete Erfolg von Kurosawas Film aber veranlasste alle Produktionsfirmen, ihre Jidaigeki ins Ausland zu schicken, die dann oft die Preise absammelten (oft ungerechtfertigt, möchte man heute hinzufügen. Die schönen Kimonos und das fremdländisch-exotische Umfeld mögen dazu beigetragen haben.)

Von dieser Hype gänzlich unberührt blieb das Gendaigeki, also Filme, die den zeitgenössischen Alltag zum Thema haben, denn diese wurden als ungeeignet für den Export angesehen. Wie sollten denn Ausländer die japanische Wirklichkeit verstehen?

Diese Einstellung änderte sich nur langsam, vor allem unter dem Einfluß der Bücher von Donald Richie. 1977 erschien Richies Buch über Yasujiro Ozu (1903-1963), in der Folge wurden drei Ozu-Filme im Westen gezeigt, die zu einem regelrechten Ozu-Boom vor allem in Frankreich führten. Ob die Ausländer immer die japanische Wirklichkeit verstanden, sei dahingestellt - sie sahen aber etwas Neues, sicher auch Exotisches, das sie faszinierte.
In diesem Arbeitskreis wollen wir die Gründe für die Faszination, die Ozu ausübt(e), untersuchen, einige Epigonen betrachten und seine Filme auch im Kontext der japanischen Filmgeschichte zu verstehen versuchen, da man seinen Einfluß bis zum heutigen Tag nachweisen kann. Dazu sollen Auschnitte aus folgende Filmen gezeigt und diskutiert werden: Ozu Yasujiro: „Reise nach Tokyo” (Tokyo Monogatari, 1953); Ozu Yasujiro: „Der Herbst der Familie Kohayagawa“ (Kohayagawa-ke no Aki, 1961); Suo Masayuki: „Perverse Familie. Die Frau meines Bruders“ (Hentai Kazoku Aniki no Yomesan, 1984); Wim Wenders: Tokyo-Ga (1985) und Ichikawa Jun: „Geschwister von Tokyo“ (Tokyo Kyodai, 1995).