Vortrag von Helmut Morsbach: „Binationale Ehen in Japan. Einige sozialpsychologische Hintergründe“
- Datum / Zeit
- Mittwoch, 25. November 09 | 18:30Uhr | ca.1.50083333333 Std
- Ort
- OAG-Bibliothek
- Kosten
- Eintritt frei
- Sprache
- Deutsch
- Anmeldung
- nicht erforderlich
In den letzten Jahrzehnten sind binationale Ehen immer populärer geworden. Wie ist es dazu gekommen? – Japan hat sich die letzten 140 Jahre in technologischer Hinsicht stark an den „Westen“ angeglichen, in vielen kulturellen Grundeinstellungen (z.B. hinsichtlich Ehe und Familie) bleiben japanisch-westliche psychologische und soziale Unterschiede jedoch weiterhin bestehen.
Aus biologischer Sicht dienen Ehen in allen Kulturen hauptsächlich zur Fortpflanzung. Jedoch spielen auch kulturelle, also meist erlernte Faktoren stark hinein. Wenn man fragt, warum ein Paar heiratet, gibt es mindestens drei miteinander verflochtene Gründe: (a) rein individuelle, (b) zwischen-menschliche und (c) kulturelle, z.B. Stereotype.
Nach anfänglichem Bekanntwerden durchmisst jedes Paar drei wichtige, aufeinanderfolgende Stufen der zunehmenden Vertrautheit: (a) beiderseitige positive Anregungen, (b) Gelegenheiten, persönliche Werte zu vergleichen, (c) Gelegenheiten, neue Rollen zu spielen und zukünftige Rollen zu proben.
Eine Entscheidung zur Ehe wird stark durch den Begriff des Austauschs bestimmt. Im alten Japan kam dies deutlich im Fall von vermittelten Ehen (miai-kekkon) zum Ausdruck.
Bei persönlichen Neigungen zu einer interkulturellen Ehe können mindestens zehn psychologische Faktoren wichtig sein. Geschlossene Ehen können je nach dem menschlichen Umfeld verschieden bewertet werden: (a) positiv, (b) negativ oder (c) mit Gleichgültigkeit. Weiterhin ist wichtig, in wessen Land solch eine Ehe hauptsächlich geführt wird und wie die Familien der beiden Ehepartner dazu stehen. Im Fall von Kindern ist es wichtig, wie stark diese von der gesellschaftlichen Umwelt akzeptiert werden.
Was waren die historischen Voraussetzungen, welche japanisch-westliche Ehen erschwerten oder begünstigten? Was sind gängige Ansichten (Stereotype) von „den Japanern“ über „die Westler“ und umgekehrt?
Unter Berücksichtigung dieser sozialpsychologischen und einiger historischen Hintergründe können deutsch-japanische Ehen unter den folgenden Aspekten diskutiert werden:
Wer tendiert dazu, eine solche Ehe einzugehen?
Was sind die drei wichtigsten Anpassungsphasen?
Mögliche Krisenherde in einer solchen Ehe:
1.Verschiedene Werte
2.Essen und Trinken
3.Sex
4.Männliche/weibliche Rollen
5.Zeitbegriff
6.Wohnort
7.Politik
8.Freunde
9.Finanzen
10.Verwandte
11.Soziale Klasse
12.Religion
13.Kindererziehung
14.Sprache und Kommunikation
15.Reaktion auf Konflikte
16.Krankheiten und Leiden
17.Ethnozentrismus
18.Der im Ausland leben müssende Ehepartner
19.Umgang mit Scheidung oder Tod
Dr. Helmut Morsbach, deutsche und südafrikanische Staatsangehörigkeit. Studium der Biologie und Sozialpsychologie in Südafrika, sowie 1961/62 DAAD-Austauschstudent in Hamburg. Lehrtätigkeiten in Südafrika, Schottland und Japan mit folgenden Forschungsinteressen: japanisch-westliche Vergleiche über nonverbale Kommunikation, Leistungsmotivation, interkulturelle Ehen, Geschenkaustausch u.a.m.. Nach Emeritierung 2001 a.o. Professor an der amerikanischen Temple-Universität in Tokyo, u.a. mit Vorlesungen über „Evolutionäre Psychologie“. Seit 1992 ist er zum zweiten Mal verheiratet und hat mit seiner japanischen Frau eine 16-jährige Tochter.
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Über Vorträge und Gesprächsabende
Gesprächsabende behandeln aktuelle gesellschaftliche Themen, die uns noch nicht den wissenschaftlichen Überblick oder den historischen Rückblick erlauben, der normalerweise in den Vorträgen gepflegt wird.
Oft stecken zwei Sprecher den thematischen Rahmen ab. Die moderierte Diskussion im Anschluss an die relativ kurzen Präsentationen bringt oftmals überraschende Zusammenhänge sonst schwer einzuordnender Einzelerscheinungen. Umso mehr trägt die Vielfalt der Sichtweisen zum Erfolg des Gesprächskreises bei. Veranstaltungssprache ist Deutsch.
