Vortrag von Ralph Lützeler: „Tokyo – auf dem Weg zu einer sozial gespaltenen Stadt?“ Anschließend: Vorstellung der neuesten OAG-Publikation
- Datum / Zeit
- Mittwoch, 9. Dezember 09 | 18:30Uhr | ca.1.5 Std
- Ort
- OAG-Bibliothek
- Sprache
- Deutsch
- Anmeldung
- nicht erforderlich
Wachsende soziale Ungleichheit, abnehmende Zuwanderungsraten, ein zunehmend neoliberaler Ansatz in der Wohnungspolitik und erschwinglicher werdende Wohnungen in zentralen Stadtvierteln bilden den Hintergrund für eine Zunahme auch sozialräumlicher Disparitäten in der japanischen Hauptstadt. Dabei handelt es sich jedoch nicht bloß um eine Verstärkung des überkommenen Gegensatzes zwischen dem wohlhabenderen Südwesten und dem ärmeren Nordosten von Tokyo. Vielmehr ist auch eine Tendenz zur kleinräumigen Enklavenbildung zu beobachten, wie die Beispiele der isoliert im Stadtgefüge liegenden exklusiven Wohntürme der Innenstadt, aber auch halb abgeschottete Einzelhaussiedlungen im suburbanen Raum oder zunehmend abgewertete öffentliche Wohnsiedlungen zeigen.
Der Schwerpunkt meines Vortrags liegt auf der Beschreibung und Erklärung des markanten Wandels in der sozialen Zusammensetzung kommunal verwalteter Wohnsiedlungen (kōei jūtaku). Noch vor wenigen Jahren als nachkriegszeitliche Wiege sozialer Gleichheit gepriesen, haben sich diese Viertel immer mehr zu Auffangbecken für sozial schwache Menschen entwickelt. Zugleich altern die Gebäude, und zwar sowohl in ihrer baulichen Substanz als auch in Bezug auf ihre Bewohner. Zunächst werden die jüngeren Entwicklungen in bestimmten öffentlichen Wohnsiedlungen anhand von Daten der kleinräumigen amtlichen Zensusstatistik beschrieben. Nachfolgend soll dann auf der Grundlage offizieller Dokumente und der Ergebnisse von Experteninterviews der Frage nachgegangen werden, ob und wie die mit der Verwaltung dieser Wohnsiedlungen betrauten Akteure die entstandene Situation als Problem ansehen und welche Lösungsansätze sie verfolgen.
PD Dr. Ralph Lützeler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und derzeit stellvertretender Direktor am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ), Tokyo. An der Universität Bonn studierte er Geographie, Japanologie und Historische Geographie. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Stadtgeographie und Bevölkerungsgeographie Japans.
Im Anschluss an den Vortrag findet ab 20.00 Uhr im Foyer bei einem kleinen Umtrunk die Vorstellung der neuesten OAG-Publikation statt.
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Über Vorträge und Gesprächsabende
Gesprächsabende behandeln aktuelle gesellschaftliche Themen, die uns noch nicht den wissenschaftlichen Überblick oder den historischen Rückblick erlauben, der normalerweise in den Vorträgen gepflegt wird.
Oft stecken zwei Sprecher den thematischen Rahmen ab. Die moderierte Diskussion im Anschluss an die relativ kurzen Präsentationen bringt oftmals überraschende Zusammenhänge sonst schwer einzuordnender Einzelerscheinungen. Umso mehr trägt die Vielfalt der Sichtweisen zum Erfolg des Gesprächskreises bei. Veranstaltungssprache ist Deutsch.
