Vortrag von Stefan Mäder: "Sakamoto Ryōma und die „Polarstern-Ein-Schwert-Schule“ (北辰一刀流) Beobachtungen zur Polverehrung im Buddhismus, der Philosophie und den Kampfkünsten Japans"
- Datum / Zeit
- Mittwoch, 12. Januar 11 | 18:29Uhr | ca.1.5 Std
- Ort
- OAG-Bibliothek, im 4. Stock des OAG-Hauses
- Kosten
- Eintritt frei
Aufgrund einer im Frühjahr 2010 ausgestrahlten Fernsehserie über Sakamoto Ryōma erlangte derselbe in Japan einen Bekanntheitsgrad, der durchaus demjenigen zeitgemäßer Pop-Ikonen vergleichbar ist. Im Verlauf der ersten Folgen wurde auch auf seine Entwicklung als Fechter und seinen Lehraufenthalt im Genbukan-Dōjō der Hokushin-Ittō-Ryū (wörtlich etwa: „Ein-Schwert-Schule des nördlichen Drachens“) in Edo eingegangen.
Der ausführlich bebilderte Vortrag stellt die Hinweise auf den fechterischen Werdegang Ryōmas vor, der wie der familiäre Hintergrund seine politischen Anschauungen und Aktivitäten ohne Zweifel entscheidend geprägt hat. Es werden auch Aufnahmen aus dem heute noch fortbestehenden Stamm- Dōjō der Hokushin-Ittō-Ryū gezeigt. Das Prinzip der unbewegten Mitte hat sich bis ins moderne Kendō als gängiger Begriff erhalten.
Was jedoch selbst unter heutigen Repräsentanten der alten Schwertschulen und des aus ihnen hervorgegangenen Kendō („Weg des Schwertes“) weitgehend in Vergessenheit geriet, ist der überaus reiche religiöse und philosophische Hintergrund der Lehren vom unbewegten Zentrum des Kosmos. Der Himmelspol – bzw. der „Große Wagen“ als sein Symbol – wurde als Entsprechung zu den Kreisläufen des menschlichen Daseins aufgefasst. Diese Bezüge werden veranschaulicht anhand von buddhistischer Kunst, aber auch in Form von Bestandteilen der Rüstung und Bewaffnung der Samurai, auf denen der Himmelspol, oftmals in Verbindung mit dem „Großen Wagen“ (北斗七星= Hokuto-Shichisei) abgebildet ist. So wird im Verlauf des Vortrages eine Kontinuität der beschriebenen Vorstellungen ersichtlich, die sich bis zu den Anfängen des Buddhismus in Japan im 6. Jahrhundert – und weit darüber hinaus – nachzeichnen lässt.
Stefan Mäder, Archäologe: Magisterabschluss 1996, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Der keltische Streitwagen im Spiegel archäologicher und literarischer Quellen); Promotion 2001 Humboldt-Universität Berlin (Stähle, Steine und Schlangen – Zur Kulturgeschichte von Schwertklingen des frühen Mittelalters). Frühjahr 2006 bis Sommer 2008 Lehr- und Forschungstätigkeit an der Kokugakuin-Universität und der National University of the Arts, Tokyo. Seit April 2010 Dozent für Deutsch an der Meiji-Universität Tokyo und Associate Researcher an der Kokugakuin Universität Tokyo.
Forschungsschwerpunkte: Technologie und kulturelle Bedeutung der frühen Schmiede- und Oberflächentechnik zwischen Japan und Europa. Untersuchungen zur frühen Himmelskunde, auch im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Metallurgie, zwischen Europa und Ostasien. Hobby: Kendō, 5. Dan.
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Gesprächsabende behandeln aktuelle gesellschaftliche Themen, die uns noch nicht den wissenschaftlichen Überblick oder den historischen Rückblick erlauben, der normalerweise in den Vorträgen gepflegt wird.
Oft stecken zwei Sprecher den thematischen Rahmen ab. Die moderierte Diskussion im Anschluss an die relativ kurzen Präsentationen bringt oftmals überraschende Zusammenhänge sonst schwer einzuordnender Einzelerscheinungen. Umso mehr trägt die Vielfalt der Sichtweisen zum Erfolg des Gesprächskreises bei. Veranstaltungssprache ist Deutsch.