Vortrag von Heinz-Dieter Reese: „Die „Augenöffnungszeremonie“ der Großen Buddhastatue im Tōdaiji-Tempel (752). Zur Bedeutung der Nara-Zeit (710-794) für die japanische Musikgeschichte"
- Datum / Zeit
- Mittwoch, 2. Februar 11 | 18:30Uhr | ca.1.5 Std
- Ort
- OAG-Bibliothek, im 4. Stock des OAG-Hauses
- Kosten
- Eintritt frei
- Sprache
- Deutsch
Zwar lässt sich die Geschichte der japanischen Musik anhand von archäologischen Funden wie auch aus Beschreibungen in frühen Chroniken bis in vorchristliche Zeit zurückverfolgen. Eine differenzierte „nationale“ japanische Musik, die dann bis in die Neuzeit Bestand haben sollte, bildete sich erst um die Mitte des 1. Jahrhunderts aus. Damals entstand ein zentralistischer japanischer Staat mit einem Kaiser an der Spitze, der sich zunächst die Reiche auf der koreanischen Halbinsel, dann seit Beginn des 8. Jahrhunderts, als Nara Haupt- und Kaiserstadt wurde, das chinesische Reich der Tang-Dynastie zum Vorbild nahm.
Aufgrund der Orientierung an den Kulturen des asiatischen Festlandes gelangte von dort auch eine Fülle sehr unterschiedlicher Musikarten und Musikinstrumente nach Japan. Sie alle wurden am Kaiserhof zunächst getrennt nach Herkunft in einzelnen Abteilungen eines staatlichen „Musikamts“ verwaltet und von jeweils spezialisierten Musikern und Ensembles gepflegt. Hieraus entstand während der Heian-Zeit (794-1185) die höfische Gagaku-Musik, die ihrerseits viele jüngere Gattungen der japanischen Musik beeinflusst hat.
In der Nara-Zeit fand dank intensiver Förderung insbesondere des Kaisers Shōmu auch der Buddhismus und mit ihm der aus Indien, China und Korea importierte Shōmyō-Ritualgesang landesweite Verbreitung. Seine eigenartigen Singweisen sollten bis ins Nō-Theater oder auch in die mit Laute begleiteten Erzählgattungen fortwirken.
Symbolischer Ausgangspunkt all dieser Entwicklungen ist Mitte des 8. Jahrhunderts der Tōdaiji-Tempel in Nara. Die „Augenöffnungszeremonie“ (kaigenshiki) der großen Buddhastatue im Jahre 752 wurde zu einem auch musikalisch spektakulären Fest, bei dem Dutzende von Ensembles die importierte instrumentale und vokale Musik samt Tänzen darbot.
Der Vortrag versucht anhand von Lichtbildern und Klangbeispielen die Impulse aufzuzeigen, die von der Nara-Zeit auf die nachfolgende japanische Musikgeschichte ausgegangen sind.
Heinz-Dieter Reese M.A., geb. 1952, studierte Musikwissenschaft, Germanistik, Völkerkunde und Japanologie in Köln. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Universitäten und ist seit 1994 als Kulturreferent am Japanischen Kulturinstitut Köln (The Japan Foundation). Zahlreiche Veröffentlichungen und Hörfunk-Features insbesondere über Musik und Theater in Japan.
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