Vortrag von Prof. Dr. David Chiavacci:
"Ein unbeabsichtigtes Immigrationsland:
Japans neue Immigration und Immigrationspo­litik"

Datum / Zeit
Mittwoch, 8. Februar 17 | 18:30 Uhr | ca.1.5 Std.
Ort
OAG-Bibliothek, 4. Stock des OAG-Hauses
Kosten
Eintritt frei
Sprache
deutsch
Anmeldung
nicht erforderlich

Nicht nur in den Massenmedien, sondern auch in der Forschungsliteratur wird in der Regel argumentiert, dass die japanische Immigrationspolitik durch einen Ethnonationalismus geprägt ist, was auch als Erklärung für die allgemein restriktive Immigrationspolitik und die Präferenz für ethnische Rückkehrmigration von nikkeijin (japanische Emigranten und ihre Nachfahren bis zur dritten Generation) angeführt wird. Diese Sicht ist jedoch viel zu einfach. Eine empirische Analyse der Beziehung zwischen den neuen Immigrationsbewegungen, den öffentlichen und politischen Debatten zur Immigration und den Reformen im Immigrationsbereich zeigen eine viel komplexere Realität in Japan auf. Immigrationspolitik in Japan ist gekennzeichnet durch eine institutionelle Fragmentierung, eine ideelle Diversität und die regionale Einbettung Japans in die ostasiatische Migrationsregion.

In diesem Vortrag werden ich Japans Immigrationspolitik und die neuen Immigrationsströme vom Vorschlag für ein südkoreanisches Praktikantenprogramm im Jahre 1966 bis zu den neusten Reformvorschlägen im Jahre 2016 darstellen und diskutieren. Dieses halbe Jahrhundert ist durch vier Wellen in der Immigrationsdebatte und der Transformation von Japan in ein neues Immigrationsland in den späteren 1980er Jahren gekennzeichnet.

David Chiavacci ist seit 2010 Mercator Professor für sozialwissenschaftliche Japanologie an der Universität Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen politische Soziologie, Wirtschaftssoziologie und Wissenssoziologie des gegenwärtigen Japans in einer komparativen Perspektive. Er ist bekannt für seine wissenschaftlichen Arbeiten zur sozialen Ungleichheit sowie zur neuen Immigration in Japan und ist der Mitherausgeber des Japan Jahrbuchs der Vereinigung für Sozialwissenschaftliche Japanforschung (VSJF). Neu erschienen von ihm ist u.a. der Sammelband Social Inequality in Post-growth Japan: Transformation during Economic and Demographic Stagnation (2016, Mitherausgeber mit Carola Hommerich) bei Routledge.



Über Vorträge und Gesprächsabende

Drei- bis viermal monatlich (außer im Juli/August) sind Vorträge vorgesehen, traditionell am Mittwochabend um 18.30 Uhr. Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde, gefolgt von einer halben Stunde Diskussion, die Sie gerne bei Essen und Trinken in der „Bier- und Kaffeestube Bodensee Akasaka“ im OAG-Haus fortsetzen können. Veranstaltungssprache ist Deutsch.

Gesprächsabende behandeln aktuelle gesellschaftliche Themen, die uns noch nicht den wissenschaftlichen Überblick oder den historischen Rückblick erlauben, der normalerweise in den Vorträgen gepflegt wird.

Oft stecken zwei Sprecher den thematischen Rahmen ab. Die moderierte Diskussion im Anschluss an die relativ kurzen Präsentationen bringt oftmals überraschende Zusammenhänge sonst schwer einzuordnender Einzelerscheinungen. Umso mehr trägt die Vielfalt der Sichtweisen zum Erfolg des Gesprächskreises bei. Veranstaltungssprache ist Deutsch.