Vortrag von Prof. Dr. Klaus Antoni:
Naminoue – zum Verhältnis von Staat und Religion im ehemaligen Königreich Ryūkyū“

Datum / Zeit
Fällt aus Mittwoch, 5. April 17 | 18:29 Uhr | ca.1.5 Std.
Ort
OAG-Bibliothek, 4. Stock des OAG-Hauses
Kosten
Eintritt frei
Sprache
deutsch
Anmeldung
nicht erforderlich

Bis zum Jahr 1879 stellten die Inseln der Ryūkyū-Kette ein ‒ zumindest nominell ‒ eigenständiges Königreich dar, das über fünfhundert Jahre hinweg Teil des chinesischen Tributsystems gewesen war. Zwar hatte der Inselbogen seine staatliche Unabhängigkeit de facto bereits im frühen 17. Jahrhundert zugunsten einer Doppelherrschaft Chinas und Japans (bzw. Satsumas) über das Königreich weitgehend eingebüßt. Doch verloren die Ryūkyūs erst mit der Annexion durch das kaiserliche Japan nach der Meiji-Restauration, und der anschließenden Etablierung der neuen Präfektur Okinawa, endgültig ihre politische und in vieler Hinsicht auch kulturelle Sonderstellung. Diese war in hohem Maße auf spezifischen religiösen Gegebenheiten gegründet, die dem einstigen Ryūkyū-Staat seine eigenständige Struktur und Basis verliehen hatten.

   
Links: Sēfa-utaki, die heiligste Stelle des alten Okinawa, bzw. Ryūkyū-Reiches
Rechts: Ein Plakat zur Insel Kudaka, die in engstem Zusammenhang mit dem Sēfa-utaki steht und den Herkunftsort der Menschen von Okinawa/Ryūkyū darstellt

Der Vortrag befasst sich mit dem besonderen Verhältnis von Staat und Religion im Königreich Ryūkyū und wird dabei ein spezielles Gewicht auf die Mythen und Legenden legen, die der traditionellen Herrschaft Ryūkyūs als geistige und legitimatorische Basis zugrunde lagen. Einen geografischen Ort, an dem viele dieser staatlich-religiösen Entwicklungen ihren Kulminationspunkt gefunden haben, stellt das Gebiet um den heutigen Naminoue-Schrein in Naha dar, dem die besondere Aufmerksamkeit des Vortrags gilt. Damit werden auch überlieferte Relikte sowie moderne, bzw. sehr aktuelle Entwicklungen im Kontext der religiösen Ideenwelt des ehemaligen Königreiches Ryūkyū thematisiert.

Links: Das Bild zeigt die Realität des heutigen Naminoue-Schreins in Naha, den man mit einer riesigen Autobahn zugebaut hat (meistens wird diese auf den Fotos herausgeschnitten …)
Rechts: Die recht neu gestaltete Haupthalle des Naminoue-Schreins

Klaus Antoni, geb. 1953, ist Japanologe mit kulturwissenschaftlichem Schwerpunkt. Seit 1998 hat er den Lehrstuhl für Japanologie (Kulturwissenschaft) am japanologischen Seminar der Universität Tübingen inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Geistes- und Religionsgeschichte Japans; insbesondere geht er der Frage nach dem Verhältnis von Religion (Shintō) und Ideologie im Kontext der japanischen Geistesgeschichte nach. Darüber hinaus befasst er sich mit japanologischer Kulturtheorie, Erzählforschung sowie den historischen und aktuellen Beziehungen Japans zu Asien. Hier wird sein künftiges Interesse vermehrt der (Geistes-) Geschichte des ehemaligen Königreiches Ryūkyū gelten.



Über Vorträge und Gesprächsabende

Drei- bis viermal monatlich (außer im Juli/August) sind Vorträge vorgesehen, traditionell am Mittwochabend um 18.30 Uhr. Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde, gefolgt von einer halben Stunde Diskussion, die Sie gerne bei Essen und Trinken in der „Bier- und Kaffeestube Bodensee Akasaka“ im OAG-Haus fortsetzen können. Veranstaltungssprache ist Deutsch.

Gesprächsabende behandeln aktuelle gesellschaftliche Themen, die uns noch nicht den wissenschaftlichen Überblick oder den historischen Rückblick erlauben, der normalerweise in den Vorträgen gepflegt wird.

Oft stecken zwei Sprecher den thematischen Rahmen ab. Die moderierte Diskussion im Anschluss an die relativ kurzen Präsentationen bringt oftmals überraschende Zusammenhänge sonst schwer einzuordnender Einzelerscheinungen. Umso mehr trägt die Vielfalt der Sichtweisen zum Erfolg des Gesprächskreises bei. Veranstaltungssprache ist Deutsch.