Vortrag von Anja Kätner: "Protest auf Okinawa:
Widerstand und Demonstrationen gegen US-Militärbasen"

Datum / Zeit
Mittwoch, 31. Mai 17 | 18:30 Uhr | ca.1.5 Std.
Ort
OAG-Bibliothek, im 4. Stock des OAG-Hauses
Kosten
Eintritt frei
Sprache
deutsch
Anmeldung
nicht erforderlich

26% der Insel bestehen aus US-Militärgebiet (Militärbasen), was eine immense Belastung für die Bevölkerung darstellt, z.B. durch Straftaten von Angehörigen des US-Militärs, Unfälle, Lärm und Umweltschäden. Die jüngsten beiden Vorfälle, die Ermordung einer Frau durch einen US-Militärbeamten im Frühjahr und der Absturz eines MV 22 Osprey an der Küste Nagos im Dezember 2016, sind nur Teil einer langen Liste. Im Zuge der Ermordung gab es im Juni 2016 eine Massenkundgebung von mehr als 65.000 Teilnehmern.

Mit Ende des zweiten Weltkrieges erhielten die USA Souveränität über Okinawa und begannen mit dem Bau von Militärbasen. Bis heute ist die Insel eine „militärische Kolonie“, und offiziell heißt es immer, die Basen auf Okinawa seien für die Sicherheit im ost-asiatischen Raum und für den Schutz Japans von grundlegender Bedeutung. 1996 wurde die Schließung des Luftstützpunktes Futenma in Ginowan und die Stationierung der US-Marines in Camp Schwab bei Henoko im Norden der Präfektur beschlossen. Das löste inselweite Proteste aus, denn der dadurch notwendige Ausbau Henokos, wird erheblich Umweltschäden mit sich bringen. Ebenfalls sind die MV 22 Osprey Hubschrauber, die seit 2012 auf der Insel stationiert sind, Objekt der Demonstrationen.

Weit verbreitet ist neben dem Gefühl der Diskriminierung auch das der Missachtung von Menschen- und Bürgerrechten der Okinawer seitens der japanischen Regierung, vor allem unter der Abe Administration. Die über die Jahrzehnte hinweg gewachsenen Proteste und Massenkundgebungen, die sich einst primär gegen die USA richteten, haben sich in ihrer Strategie, ihren Taktiken und Inhalten verändert. Zum Großteil richtet sich der Widerstand nun auch gegen den japanischen Nationalstaat. Der 2014 einstimmig und mit überwältigendem Zuspruch ins Gouverneursamt gewählte Onaga Takeshi gilt als progressiver, regierungskritischer und anti-base Politiker. Er ist unter allen Parteien auf Okinawa beliebt und bekommt inselweit politische Unterstützung, was ungewöhnlich in der japanischen Politik ist. Auch die Bürger der Präfektur setzen große Hoffnung in ihn, dass er mit seiner „All Okinawa“ Politik gegen den Politikkurs der Abe Regierung Erfolg haben wird und der Ausbau von Henoko verhindert werden kann.

Im Vortrag sollen die Akteure und deren Argumente sowie Ziele und das komplizierte „Futenma Mondai“ (Problem Futenma) vorgestellt werden. Außerdem wird erklärt, wo die Schauplätze der Proteste sind und welche Aktionen durchgeführt werden. Es soll aufgezeigt werden, warum die gegenwärtigen Proteste mit dem progressiven Gouverneur Onaga als „Speerspitze“ unter der Idee eines „All Okinawa“ im japanischen Kontext so besonders sind und welche Chance dieser Widerstand bieten kann.

Anja Kätner (Sueyoshi) hat nach dem Studium der Japanologie an der FU Berlin (B.A. und M.A.) im Herbst 2015 ihr Promotionsstudium an der Universität Hamburg begonnen und ist derzeit Gastdoktorandin an der Ryūkyū Universität auf Okinawa. Zwei Mal war sie als Austauschstipendiatin in Japan: 2009 an der Chūō-Universität und 2011-2012 an der Tsukuba-Universität. Im Laufe ihres Studiums hat sie über Minderheiten in Japan, Japanische Außenpolitik/Internationale Beziehungen Japans, Demokratieverständnis, soziale Bewegungen und verschiedene Themenfelder zu Okinawa geforscht.



Über Vorträge und Gesprächsabende

Drei- bis viermal monatlich (außer im Juli/August) sind Vorträge vorgesehen, traditionell am Mittwochabend um 18.30 Uhr. Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde, gefolgt von einer halben Stunde Diskussion, die Sie gerne bei Essen und Trinken in der „Bier- und Kaffeestube Bodensee Akasaka“ im OAG-Haus fortsetzen können. Veranstaltungssprache ist Deutsch.

Gesprächsabende behandeln aktuelle gesellschaftliche Themen, die uns noch nicht den wissenschaftlichen Überblick oder den historischen Rückblick erlauben, der normalerweise in den Vorträgen gepflegt wird.

Oft stecken zwei Sprecher den thematischen Rahmen ab. Die moderierte Diskussion im Anschluss an die relativ kurzen Präsentationen bringt oftmals überraschende Zusammenhänge sonst schwer einzuordnender Einzelerscheinungen. Umso mehr trägt die Vielfalt der Sichtweisen zum Erfolg des Gesprächskreises bei. Veranstaltungssprache ist Deutsch.